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Test: Gears of War: E-Day Kampagne – Ist es der erhoffte Befreiungsschlag für XBOX?

Gears of War ist zurück. Die traditionsreiche XBOX-Marke hat zu Beginn die Third-Person-Shooter revolutioniert. Das Deckungssystem und die innovative Nachlademechanik, zusammen mit der eindrucksvollen Grafik, setzten Maßstäbe. Und das alles geschah vor 20 Jahren, als der Grundstein für die Reihe gelegt wurde. Jetzt, 2026, erscheint der neuste Ableger, der zwar das mit Abstand höchste Budget hat mit sage und schreibe 400 Mio. US-Dollar, aber inhaltlich eher zu den Wurzeln zurückkehrt. Dazu ist das Spiel auch ein Politikum. Der erste konsolenexklusive Titel seit längerer Zeit und dazu das XXL-Budget in XBOX‘ wohl schwierigsten Zeiten. Ist der Titel also gut genug, um genügend Leute wieder zur Marke zu führen? Oder kündigt sich das gleiche Schicksal wie bei Halo an? Ich konnte die Kampagne spielen und teile mal meine Gedanken!

Auserzählt?

Gears of War hat eigentlich schon die ganze Geschichte rund um Marcus Fenix erzählt. Also zumindest fast. Denn die Geschehnisse rund um den E-Day kann man noch irgendwie aufarbeiten. Es markiert den groß angelegten Angriff der Locust auf die Menschheit und mittendrin befindet sich Marcus, zusammen mit Dom, Reyes und Mags. Der 4er-Squad setzt sich aus alten und neuen Figuren zusammen, die sehr unterschiedliche Hintergründe haben, aber durch den Locust-Angriff geeint werden. Auch wenn jede Figur immer wieder eigene Charakterzüge durchblitzen lässt, bestehen die Dialoge meist aus den harten, coolen Macho-Sprüchen, wofür man die Reihe kennt und was irgendwie auch hier reinpasst. Charakterliche Tiefe geht dadurch auch zwar ein bisschen verloren, die habe ich allerdings weder erwartet, noch vermisst. Auch die Story ist alles in allem weder besonders komplex, noch überraschend, aber dennoch unterhaltsam.

Bild: 2026 © XBOX Game Studios

Back 2 the Roots

Nachdem Gears 5 sich wesentlich offener präsentiert hat und teils sehr weitläufige Areale bot, war in E-Day klar: Es geht back to the roots. Die zuvor präsentierten Level zeigten schon ein wesentlich lineareres Leveldesign. Es wirkt schon fast wie ein inhaltliches Remake der ersten Teile. Und das mag man vielleicht auch ein wenig ideenlos finden, aber mich hat es von Beginn an gepackt. Ich mag die damit verbundene spektakuläre Inszenierung, die mich sofort in den Konflikt wirft und mir eine fokussierte Gameplay-Erfahrung entgegen wirft. So lieb ich Gears of War. Und tatsächlich stellten sich schnell nostalgische Gefühle bei mir ein. Ein neues Spiel, welches so vertraut wirkt. Weil auch das Gunplay funktioniert wie eh und je. Ich bekomme bekannte und neue Wummen an die Hand, die einen richtig guten Impact mitbringen, sodass es in den Straßen von Sera ordentlich am Spratzen ist.

Die Feuergefechte sind auch dank des flüssigen Deckungssystems ein echter Genuss, auch weil dieses nochmal optimiert wurde und man sich selbst halb im Liegen hinter Objekten verschanzen kann. Das regt zum Umdenken an, weil es natürlich neue Möglichkeiten schafft, fördert aber gleichzeitig den Gefechts-Flow. Durch die zerstörbaren Objekte ergeben sich also immer zwei Spielkomponenten, die gut ineinandergreifen: Das hervorragende Gunplay, plus das noch taktischere Deckungssystem. Die Action auf dem Bildschirm funktioniert wie eh und je, auch weil sie das altbewährte System nutzt und nochmal verfeinert. In seinem Gameplay ist E-Day vor allem auch eine Hommage an die Ursprünge und fängt das auch gekonnt ein.

Gears of War

Bild: 2026 © XBOX Game Studios

Doch Open-World?

Zugegeben, Gears of War: E-Day erfindet das Ganze auch nicht neu. Es sind Optimierungen eines bestehenden Systems, die aber gut funktionieren und erneut schöne Kampfdynamiken erzeugen. Hier mal Schusswechsel, dort Deckung wechseln und da hinten mal einen Locust per Kettensäge in zwei Hälften teilen. Ja, das ist die pure Gears-Erfahrung und sie macht auch wieder absolut Laune! Noch recht früh im Spiel macht es dann jedoch einen kleinen Change, den ich doch etwas überraschend fand. Und zwar öffnete sich das Spiel dann deutlich und bot mir eine größere, offenere Zone inmitten der Stadt, in der ich mich frei bewegen konnte. Von dort kann ich zur nächsten Hauptmission laufen, umherstreunende Locust beseitigen oder Nebenmissionen angehen, in denen ich das Gleiche mache.

Es ist zwar dann ein etwas offeneres Areal, aber trotzdem innerhalb der linearen Straßen. Das Schöne ist, dass dadurch der lineare Flair erhalten bleibt. Das Schlechte ist: Wozu der Rest? Die Open Zone liefert keinen wirklichen Mehrwert und streckt nur die Laufwege. Ja, es ist „nett“ so alternativ nochmal eine Nebenmission angehen zu können, aber das hätte man auch anders lösen können. Denn das Problem ist, dass es hier nichts zu entdecken gibt.

Gears of War

Bild: 2026 © XBOX Game Studios

Erkundung ohne Erkundung

Weder in den linearen Abschnitten noch in den offenen, lohnt sich der Ausflug in Seitengassen oder andere Bereiche der Map. Denn Gears belohnt Erkundung nicht. Keine interessanten Story-Einschübe, keine wirklich interessanten Side-Quests, keine Puzzle, nichts Neues und auch nichts, was der Progression irgendwie zugutekommt. Es gibt lediglich ein paar Sammelobjekte, von denen man aber viele auch so einfach im Vorbeigehen mitnehmen kann. Und wenn du eine Welt öffnest, aber dann keine Erkundung förderst, ist sie schlichtweg redundant.

Progression passiert in Teilen lediglich über Missionsfortschritt und die Nachschubboxen, über welche ich Vorräte auffüllen, Waffen auswählen und Perks hinzufügen kann. Das ist natürlich sehr seichte Progression und hier hätte ich mir einfach etwas mehr gewünscht, was mich auch abseits der Action irgendwie motiviert. In dem Fall kann es aber helfen, das Spiel nicht allein zu spielen! Denn es bietet ja einen 4-Spieler-Koop. Gears of War 3 lässt mal wieder grüßen. Und so entstehen natürlich nochmal andere Dynamiken, auch wenn das Spiel für mein Empfinden dann schon wesentlich einfacher wird.

Es ist jedoch nicht so, dass der Titel generell besonders schwierig wäre. Im normalen Schwierigkeitsgrad habe ich den Game Over-Scree nie gesehen. Das kommt daher, dass man ganze 4 Mal zu Boden gehen und von Mitstreitern wiederbelebt werden kann, ehe man mal wirklich virtuell draufgeht. Das Zeitfenster dafür ist ebenfalls mehr als großzügig. Aber dennoch gewinnt das Spiel durch den Koop-Modus nochmal mehr an Dynamik und insgesamt ist Gears dann einfach am Peak. So macht die Ballerei sogar noch mehr Laune.

Gears of War

Bild: 2026 © XBOX Game Studios

Licht und Schatten

Technisch hinterließ Gears of War: E-Day den wohl gespaltensten Eindruck bei mir zurück, den ich seit langer Zeit hatte. Denn gerade am Anfang hat mich das Spiel optisch regelrecht begeistert. Die Welt ist so unfassbar detailliert. Großartig! Dazu sorgen Belichtung und Reflektionen für eine herausragende Stimmung und sorgen für ein richtig imposantes Bild. Hier sieht der XBOX-Titel einfach aus, wie die grafische Elite. Aber dann gibt es die Tag-Level und hier habe ich das Gefühl, ein anderes Spiel zu spielen.

Bei all der Liebe zur Nostalgie, aber sogar den berüchtigten „Piss-Filter“ zu übernehmen, der die Welt in einen beige-braunen Ton haucht, ist schon gewagt. Bei mir funktioniert das Ganze zum Glück, weil es mich weiter glauben lässt wieder in der Xbox 360-Ära unterwegs zu sein. Das trifft aber auch leider auf die generelle Grafik-Qualität zu. Denn hier wirkt vieles, durch die einfachere Beleuchtung, sehr viel undetaillierter und flacher, als noch nachts. Dadurch sieht das Spiel dann nur solide, bis teiweise nicht so richtig toll aus, was vielleicht auch am leicht verwaschenen Look im Performance-Modus auf der Series X liegt. Ich glaube, dass das sogar eher am drübergelegten Filter liegt, als am UE5-internen Upscaler. Selten lagen Licht und Schatten so deutlich nebeneinander. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Gears of War

Bild: 2026 © XBOX Game Studios


Fazit zu Gears of War: E-Day Kampagne

Gears of War: E-Day spielt ganz bewusst mit der Nostalgie. Ich habe das Gefühl, hier Teil 3 zu spielen, aber in modern und mit neuer Geschichte, als auch mit Feintuning im Gameplay. Und das ist zunächst ein großes Lob. Denn es fängt Vibe und Handling perfekt ein und somit hab ich einfach wieder extrem viel Spaß damit mich durch die Locust-Horden zu ballern und zu sägen. Es ist kompromisslos gute Third-Person-Shooter-Action, die auch der Hauptgrund sind, weshalb mir das Spiel Spaß macht und weswegen sich das Game für mich trägt. Denn das liegt weniger an der okayen Story oder den wenig tiefen Figuren, noch am Fehlen jeglicher Motivation & Belohnung für die Erkundung.

Gears of War: E-Day ist sehr klassisch und denkt sich nicht neu. Das ist für manche genau das, was sie sich erhofft haben, für andere vielleicht zu wenig Abwechslung. Wenn ich nun Gunplay, lineare Abschnitte, die Open-Zone, die mangelnde Erkundung, den Koop-Aspekt, als auch die schwankende Technik zusammen in einen Topf werfe, kommt ein positives Urteil heraus, denn: Ich hatte wieder echt Spaß mit dem Ding. Ist es aber die Speerspitze der Reihe? Das leider nicht. Dafür hätte es auch neue, interessante Wege gebraucht. Denn die offenen Zonen sind leider keine Bereicherung. E-Day ist für euch umso besser, je mehr ihr euch auf das reine Gameplay fokussieren könnt. Denn das ist großartig! Der Rest hat ganz klar Luft nach oben. Reicht das, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und der Reihe den nötigen Erfolg mitzugeben? Auch wenn ich echt eine gute Zeit hiermit hatte, habe ich daran noch meine Zweifel.

Christian Koitka (Redakteur)

Positiv:

Gunplay ist wieder komplett on Point
Dank des erweiterten Deckungssystems noch dynamischere Gefechte
Größtenteils lineare Struktur fügt sich sehr gut ein
Koop macht's einfach noch besser
Spielt sehr gekonnt mit Nostalgie
Sieht insbesondere bei Nacht großartig aus

Negativ:

Tagsüber sieht das Spiel aber eher weniger beeindruckend aus
Die offeneren Areale sind ziemlich überflüssig und bieten keinen Mehrwert
Keine interessante Progression
Bietet keine wirklich neuen Ideen oder Impulse

Online Multiplayer

Couch-Koop / Splitscreen

Mikrotransaktionen

Lootboxen

Onlinezwang

Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs

Ab in die Sammlung?

Gears-und Third-Person-Shooter-Fans können bedenkenlos zugreifen. Auch dank des Game Pass. Falls euch die Reihe nie interessiert hat, wird sich das aber hiermit wohl auch kaum ändern.

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